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„Unsere“ Störche in Glaubitz

Seit 2021 suchen Störche im Frühjahr den Horst unweit der Kirche Glaubitz auf. Aus geringer Distanz lassen sich seitdem Balz und Brut sowie die Aufzucht der Jungtiere beobachten. Bei den Bewohnern der Volkssolidarität Schlossresidenz Glaubitz hat sich der Horst deshalb schnell zu einem beliebten Ziel für Spaziergänge entwickelt.

In diesem Jahr haben sie aber nicht nur zwischen Mai und August das Heranwachsen, die Beringung und das Flügge-werden des Storchennachwuchses mitverfolgt. Im Juli hatten die Pflegeheimbewohner zu unserem „Tag des Storches“ die Gelegenheit, sich umfassend mit der Welt der Störche auseinanderzusetzen.

Bruterfolg und Beringung im Jahr 2026

In diesem Jahr war es am 6. April wieder so weit. In Glaubitz traf ein männlicher Weißstorch ein und nahm den Horst in Besitz. Anhand seines Rings ließ sich feststellen, dass es sich um dasselbe Storchenmännchen wie bereits 2025 handelte. Mit seinem charakteristischen Schnabelgeklapper warb er erfolgreich um ein Weibchen, dass am 11. April die „gemeinsame Wohnung“ bezog.

Kaum zwei Wochen später ging es dann Schlag auf Schlag: Im Abstand von je zwei Tagen legte das Storchenweibchen insgesamt vier Eier. Das erste Küken schlüpfte etwa vier Wochen später, das zweite – und leider letzte – Küken schlüpfte nach zwei weiteren Tagen.

Links: Der Storchenbeauftragte steigt zum Horst hinauf. Rechts: Die beiden jungen Weißstörche werden beringt.
Bei der Beringung wird der angeborene Totstellrelfex der Störche ausgenutzt: Sobald sich der Storchenbeautragte nähert, bleiben die Jungstörche ganz ruhig.

Die beiden Jungtiere hielten ab da ihre Eltern ganz schön auf Trapp. In den ersten Wochen war rund um die Uhr ein Elterntier bei den Küken, um sie zu schützen und den Horst sauber zu halten. Das andere Alttier konnte währenddessen auf nahen Wiesen und Äckern bei der Nahrungssuche beobachtet werden.

Bevor die beiden Jungtiere flügge wurden, erfolgte im Beisein der Pflegeheimbewohner die Beringung. Als die Storcheneltern nicht beim Horst waren, erklomm der ehrenamtliche Storchenbeauftragte auf einer ausfahrbaren Leiter den Horst. Er verpackte den Storchennachwuchs sicher in einen Sack und ließ ihn dann sanft auf den Boden herab. Dort erfolgten das Wiegen, Ausmessen und die Beringung. Im Anschluss wurden die beiden jungen Weißstörche wieder in den Horst gebracht.

Erste Flugversuche der jungen Weißstörche
Die jungen Weißstörche unternehmen ihre ersten Flugversuche.

Tag des Storches in der Schlossresidenz Glaubitz

Bevor die vier Störche Anfang August den Horst in Richtung ihres Winterquartiers in Afrika verließen, begingen die Bewohner der Schlossresidenz am 21. Juli einen Tag des Storches. Dafür wurden im Mehrzweckraum mehrere Wissensstationen aufgebaut und mit thematischen passenden Dekorationen verziert.

An den Wissensstationen hatten die Bewohner die Gelegenheit, sich umfassend über den Weißstorch zu informieren. Unter anderem über:

  • den Ursprung und die Bedeutung bekannter Redewendungen, z.B. „Da brat mir doch einer einen Storch!“
  • den Storch als Glücksbringer und Märchenfigur

Ein selbstgebasteltes Storchennest lud zum Rätseln ein: Wie groß ist ein Storchenei und wie viel wiegt es im Durchschnitt?

Ein selbstgebasteltes Storchennest mit Quiz
Wie groß ist ein Storchenei und wie viel wiegt es? Kennen Sie die Antwort?

Eine Präsentation vermittelte allerhand zusätzliches Wissen aus der Welt der Störche. So ist in Europa nur eine Storchengattung mit zwei Arten heimisch, der bekannte Weißstorch (auch „Klapperstorch“ genannt) und Schwarzstörche. Auf anderen Kontinenten leben hingegen noch fünf weitere Gattungen mit insgesamt 18 Arten. Und dass bis in die 80er-Jahre die Bestände des Weißstorchs stark rückläufig waren, überraschte alle. Seitdem in Deutschland ein Artenschutzprogramm initiiert wurde, erholen sich die Storchenbestände hierzulande aber wieder. Trotzdem stellen Freileitungen für Störche immer noch eine lebensbedrohliche Gefahr dar, weshalb die Arbeit der ehrenamtlichen Storchenbeauftragten bei der Umsetzung des Schutzprogramms so wichtig ist. 

Wissensstation: Eckdaten zum Storch
Die Dekorationen der Wissensstationen wurden von den Heimbewohnern gebastelt.

„Unsere“ Weißstorchenfamilie hat Glaubitz bereits wieder verlassen. Vielleicht sehen wir die Storcheneltern im nächsten Jahr wieder. Der Nachwuchs wird hingegen erst in sein Sommerquartier zurückkehren, wenn er geschlechtsreif geworden ist.